Interview mit Marco Röhrig zur aktuellen Entwicklung des Steinbruchvorhabens

By 24. Mai 2019Unkategorisiert

Herr Röhrig, die Regionalversammlung Südhessen hat am 12. April 2019 einem Abweichungsbeschluss des Regionalplans zugestimmt. Was bedeutet das für Sie?

Ich freue mich zunächst über das positive Votum der Regionalversammlung, weil damit ein Zeichen gesetzt wurde, dass die heimische Rohstoffversorgung für jeden einzelnen von uns eine hohe Bedeutung hat, wie etwa im Bausektor oder beim Straßenbau. Die Zustimmung der Regionalversammlung ist Voraussetzung für das anstehende Genehmigungsverfahren und daher für unser in der fünften Generation geführtes Familienunternehmen ein wichtiger Schritt in Richtung Standortsicherung.

 

Wie geht es nun für die Firma RÖHRIGgranit® weiter?

Wir werden als nächsten Schritt den Antrag zur Erweiterung des Steinbruchs Gehrenberg beim Regierungspräsidium Darmstadt vorbereiten und diesen vermutlich bis zu den Sommerferien einreichen. Wir sind davon überzeugt, dass mit unserer Planung der Flächenveränderung die beste Lösung geschaffen wird, unser Unternehmen möglichst umweltschonend in die Zukunft zu führen. Zudem können wir die Arbeitsplätze unserer über 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und Kunden somit dauerhaft sichern. Damit leisten wir auch weiterhin einen Beitrag zur Wertschöpfung in der Region.

 

Wie schätzen Sie die Gesamtsituation der Rohstoffversorgung in der Region ein?

In den vergangenen 20 Jahren sind im Umkreis von 20 Kilometern vier Steinbrüche geschlossen worden. Dies führt bereits heute zu einer deutlichen Rohstoffverknappung in der Region. Mit der Rohstoffsicherung des Steinbruchs schaffen wir eine wichtige Basis zum Erhalt der derzeitigen Liefersituation – vor allem in den Regionen Rhein-Main und Rhein-Neckar. Rohstoffimporte können keine gesellschaftlich akzeptable Alternative sein: erhöhte Transportkosten, schlechte Arbeitsbedingungen, mangelhafte Natur- und Umweltschutzauflagen sowie eine deutlich negativere CO2-Bilanz sprechen klar dagegen.

Allein in Südhessen und nur für den Straßenbau sind seit 2010 über 50 Projekte für den Aus- und Neubau von Kreis-, Landes- und Bundesstraßen in Planung. Dafür wurde und wird entsprechend viel Gesteinsmaterial benötigt. Darüber hinaus werden auch viele weitere Bauprojekte realisiert.

Nur durch Recycling lässt sich die Rohstoffversorgung in der Region nicht dauerhaft sichern. Recyclingmaterialien sind derzeit für viele qualitativ hochwertige Anwendungen noch nicht geeignet bzw. zugelassen.

Im Falle eines positiven Genehmigungsbescheids erhalten wir als Unternehmen Planungssicherheit auch für notwendige Investitionen in die Zukunft.

 

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die Belastungen von Staub, Lärm und Erschütterungen für die Anwohner zu reduzieren?

Ein wichtiger Aspekt unserer Unternehmensphilosophie ist und bleibt der kontinuierliche Austausch mit Anwohnern und unseren Nachbarn. Wir hören zu und gehen auf die Anliegen, die an uns herangetragen werden, ein. Wie wir es auch seit einigen Monaten in der Öffentlichkeit kommunizieren, wird sich auch für Anwohner und Nachbarn wenig ändern.

Dabei will ich ausdrücklich folgendes betonen.

Erstens: Wir halten nicht nur stets die gesetzlich vorgeschriebenen Anhaltswerte in allen Bereichen ein, sondern liegen bei den Sprengungen sogar weit darunter.

Zweitens: Wir haben ein Staubmanagement System, das wir kontinuierlich optimieren.

Drittens: Auch im Bereich Lärm haben wir schon vieles verbessert. Sollten wir die Genehmigung für die Erweiterung erhalten, und die wirtschaftliche Lage es zulassen, werden wir weitere freiwillige Investitionen und Maßnahmen im Bereich Lärmreduzierung umsetzen.

 

Können Sie das konkretisieren?

Für die Maßnahmen, die wir ergreifen, stehen wir im ständigen Austausch mit Experten sowie Fachbehörden und informieren uns über den neusten Stand der Technik. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um weitere freiwillige Reduktionen von Staub- und Lärmemissionen sowie Erschütterungen durch gezielte Investitionen im Produktionsbereich.

So sind wir bestrebt, die Sprengtechnik fortlaufend zu optimieren, wie etwa mit dem neuesten Equipment im Bereich der elektronischen Zündung. Dies ermöglicht uns auch bei reduziertem Abstand zum Ortsteil Juhöhe insgesamt keine stärkeren Erschütterungen zu erzeugen. Die Reduzierung der Wandhöhen unterstützt dieses Vorhaben zusätzlich. Zudem wird die Sprengausrichtung auf dieser Fläche in Ost – West Richtung gedreht. Durch diese Maßnahmen werden die Belastungen zukünftig auf einem niedrigen Niveau gehalten.

 

Die Thematik der Sprengerschütterungen wird immer wieder aufgegriffen. Wie gehen Sie damit um?

Eine Antwort darauf sind die soeben geschilderten Maßnahmen. Zusätzlich stehen wir im fortwährenden Austausch mit dem Regierungspräsidium Darmstadt. In diesem Zusammenhang halten wir es für sachgerecht und angebracht, dass die Erschütterungsmessungen in Zukunft auch über eine Dauermessstelle erfolgen. Die Einrichtung einer derartigen Messstelle obläge dem RP Darmstadt. Mit ihr könnten unabhängige Messungen sichergestellt werden. Wir werden diese Thematik in unseren Erweiterungsantrag aufnehmen und unsere Zustimmung gegenüber dem RP Darmstadt und den Anwohnern kommunizieren.

 

Der Steinbruch Gehrenberg wird als Ewigkeitslast für zukünftige Generationen betrachtet. Stimmen Sie dem zu?

Steinbrüche sind weit mehr als bloße Eingriffe in die Landschaft. Vielmehr sind sie wertvolle Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Das Engagement für ein Mehr an Biodiversität in und um unsere Steinbrüche sowie in der Region, ist für uns nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern auch fester Bestandteil unserer Unternehmenspolitik – und das schon seit Jahrzehnten. Hierfür wurden wir im Übrigen auch schon mehrfach ausgezeichnet. Damit gehören wir zu den Vorreitern in unserer Branche. Nicht zuletzt deshalb bewerten Naturschutzverbände unser Vorhaben positiv. Denn auf den Arealen der Gewinnungsbetriebe entstehen völlig neue Biotopflächen. Hier sind wir seit Jahren mit verschiedenen Projekten und Partnerschaften aktiv, die wir sehr gerne und aus Überzeugung fortsetzen werden.

 

Was unternehmen Sie, um die Sicherheit der Anwohner weiterhin zu gewährleisten?

Viele Gespräche in den letzten Monaten haben uns in unserer Auffassung bestärkt, dass der Wunsch nach Sicherheit an oberster Stelle steht. Dafür haben wir Verständnis, denn Sicherheit ist auch für unser Unternehmen von höchster Bedeutung. Daher haben wir im Rahmen einer Anhörung des RP Darmstadt zugestimmt, dass eine rund 40 ha große Waldfläche zwischen der geplanten neuen Abbaugrenze und der Wohnbebauung Juhöhe als Bannwald ausgewiesen wird. Die Kategorie „Bannwald“ ist die höchste Schutzkategorie im Hessischen Waldgesetz. In der Beschlussvorlage der Regionalversammlung Südhessen war noch von der Ausweisung einer 24 ha großen Fläche die Rede. Wir haben der Ausweisung des Bannwalds auf rund 40 ha zugestimmt, weil wir verstehen, dass der Wunsch nach Sicherheit für die Anwohner auf der Juhöhe von höchster Bedeutung ist. Wir wollen mit unserer Zustimmung auch deutlich machen, dass es unser Interesse als Nachbar ist, gemeinsame Lösungen zu finden und um Vertrauen zu werben. Daher gehen wir mit dieser Entscheidung einen wichtigen Schritt auf die Anwohner der Juhöhe zu und verstehen dies als Signal für ein gutnachbarschaftliches Miteinander.

 

Ihr Schlusswort…

Wir sind nach wie vor an einem konstruktiven und fairen Austausch mit Anwohnern und Nachbarn interessiert und stehen jederzeit für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Denn es liegt nicht zuletzt auch in unserem eigenen Interesse, die Immissionen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Wir wollen damit unseren Beitrag für ein gutnachbarschaftliches Miteinander leisten. Hierfür ist uns der Erfahrungsaustausch mit den Anwohnern und Nachbarn sehr willkommen.