Erster Dialog mit Vertretern der Bürgerinitiative in sachlicher Atmosphäre

By 25. Juni 2019Unkategorisiert

Firma Röhrig und Bürgerinitiative FSkF sprechen erstmals miteinander über die Steinbrucherweiterung in Richtung Juhöhe

Zum ersten Mal haben sich die Firma Röhrig und die Bürgerinitiative „Für Schutzwald und kleines Felsenmeer“ (FSkF) an einen Tisch gesetzt. Dabei machten sie im Landratsamt ihre Standpunkte zur Erweiterung des Steinbruchs in Richtung Juhöhe deutlich. Beide Seiten sehen es als Schritt in die richtige Richtung – von einer Einigung sind sie aber noch weit entfernt.

„Wir begrüßen diesen Austausch, weil es uns wichtig ist, Vertrauen aufzubauen“, ließ sich Geschäftsführer Marco Röhrig in einer Pressemitteilung zitieren. „Wir schätzen ausdrücklich, dass die Firma Röhrig sich zu diesem Dialog bereit erklärt hat“, erklärte FSkF-Sprecher Cornelius Frank in deren Presseerklärung, „wir stehen hier aber erst am Anfang und sehen noch viel Klärungsbedarf.“ Die Presse war zu dem Termin nicht eingeladen.

BI spricht von starker Verunsicherung

Im Gespräch wurde über die vom Regierungspräsidium Darmstadt erfolgte Ausweisung eines rund 40 Hektar großen Bannwalds von der zukünftigen Abbaugrenze bis zur Ortslage Juhöhe diskutiert. Nach Auffassung der Bürgerinitiative haben die Erfahrungen mit der Abschaffung von Schutzwald zu einer starken Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Nun Bannwald auszuweisen, auch wenn dieser einen höheren Schutzstatus hat, sei laut FSkF „sinnvoll“, jedoch bleiben Zweifel an der Verlässlichkeit. „Vor 25 Jahren haben die Einwohner der Juhöhe auf eine Erklärung von Gerhard Röhrig, den Steinbruch nicht in Richtung Juhöhe auszudehnen und das Gebiet als Schutzwald auszuweisen, vertraut“, so Monika Rapp von der BI. „Auf dieser Basis haben wir eine letztmalige Erweiterung des Steinbruchs im Jahr 2007 mit 4,5 Hektar akzeptiert. Durch das uns erst im Oktober 2018 bekanntgewordene Verfahren zur Erweiterung des Steinbruchs um zusätzliche 6,2 Hektar wurde das über viele Jahre aufgebaute Vertrauen und ein gutes Miteinander zerstört.“

„Wir bedauern es sehr, dass die Bürgerinitiative die Schutzfunktion des Bannwaldes als nicht ausreichend anerkennt“, meint Marco Röhrig. „Wir hingegen sehen mit der jetzigen Bannwaldausweisung den Schutz der Ortslage Juhöhe als gesichert an.“ Der Bannwald sei die höchste Schutzkategorie im Hessischen Waldgesetz. Als „bedauerlich“ bezeichnet es Marco Röhrig, dass die Bürgerinitiative nach wie vor davon spreche, es gebe ein Verfahren, das ihr erst im Oktober 2018 bekanntgemacht worden sei. Richtig sei vielmehr, dass das Unternehmen bislang keinen Antrag nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz beim Regierungspräsidium Darmstadt gestellt habe. Die Antragstellung sei für Sommer 2019 vorgesehen. Marco Röhrig: „Wir haben – entsprechend der gesetzlichen Regelungen – im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung das Projekt zum frühestmöglichen Zeitpunkt bekanntgemacht.“

In dem jetzt beginnenden Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz strebt die BI FSkF weitere Klärungen an. Der Zuspruch für den Erhalt des Schutzwaldes habe in den letzten Wochen weiter zugenommen. „Mit der aktuellen bundesweiten Diskussion zum Thema Klimaschutz ist die Erkenntnis gewachsen, dass der Schutz des Waldes von besonderer Bedeutung ist. Die Menschen sehen, dass die geplante großflächige Steinbrucherweiterung und Waldrodung sich nicht mit dem Klimaschutz und Naturschutz verträgt“, erläutert Monika Rapp. Röhrig sieht es aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive. Im Interesse der Mitarbeiter und ihrer Familien sowie vor dem Hintergrund der Versorgungssicherheit in der Region dürfe das Gesamtvorhaben nicht in Frage gestellt werden. „In den vergangenen Jahren wurden vier Steinbrüche in der Region geschlossen“, so der Geschäftsführer. Folglich müssten den Aspekten der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und der Versorgungssicherheit der Region gebührend Rechnung getragen werden. Forderungen aus den Reihen der Bürgerinitiative zum sozialverträglichen Abbau von Arbeitsplätzen, seien in diesem Zusammenhang nicht hilfreich, meint Röhrig und verspricht: „Ich werde mich für jeden einzelnen Arbeitsplatz im Unternehmen einsetzen.“

Die jetzt begonnenen Gespräche seien ein erster Schritt hier wieder Vertrauen aufzubauen, findet die BI. „Dem Erweiterungsstreben des Steinbruchunternehmens müssen aber wirksame Grenzen gesetzt werden, die auch noch nach 25 Jahren oder 50 Jahren gelten“, hob Cornelius Frank hervor. Dass das Vertrauensverhältnis noch auf ganz wackeligen Beinen steht, verdeutlichte auch Röhrig. Er sei nicht bereit, weiterhin persönliche Angriffe und Diffamierungen einzelner Mitglieder der Bürgerinitiative hinzunehmen. Röhrig: „Sollten derartige Anfeindungen in Zukunft andauern, ist der weitere Austausch mit der Bürgerinitiative in Frage gestellt.“

Quelle: Starkenburger Echo, Ausgabe vom 25.06.2019